Privater Jitsi Meet Server

Im Rahmen der Corona-Krise ist der Bedarf für Video-Chat sprunghaft angestiegen. Nun gibt es diverse namhafte Anbieter die wahlweise direkt mit Geld oder indirekt mit Daten bezahlt werden wollen. Hier hat mich manche Berechtigungsanforderung des Android Clients abgeschreckt. Als echter Nerd ist mir Datenschutz wichtig. Da kommt man um Jitsi nicht herum.

Das ist ja auch ganz schön, aber wer betreibt die Server auf dieser Liste an öffentlichen Servern?
Und schon war ich bei der Idee für meine Familie und Freunde einen eigenen Jitsi Meet Server auf zu ziehen.

Der Charme an Jitsi Meet ist die Tatsache, daß es mit einem TCP- und einem UDP-Port auskommt. Zusätzlich kann ich noch berichten, daß ein Video-Chat mit zwei Personen über 1,5 Stunden, mit hervorragender Bildqualität, ohne jede Störung verlief. Der Bedarf an Bandbreite ist so niedrig, daß die bidirektionale Übertragung bei meinem ↓50/↑10 ADSL nicht einmal aufviel.

Na ja, ganz so einfach war das dann doch nicht. Aber gehen wir es mal Schritt für Schritt an.

Rahmenbedingungen: Man darf die Bandbreite nicht aus den Augen verlieren. Mit jedem weiteren Teilnehmer steigt auch der Bedarf an Bandbreite!

Also ein Medienstream (Video+Audio) benötigt ca. 1,5 MBit Bandbreite.

Da der Server und ein Teilnehmer hinter der Firewall stehen, ergeben sich folgende Bandbreitenanforderungen durch die Firewall:

Teilnehmer ADSL 16/2,4 VDSL 50/10 VDSL 100/50 VDSL 250/50
2 1,5/1,5 1,5/1,5 1,5/1,5 1,5/1,5
3 - 3,0/6,0 3,0/6,0 3,0/6,0
4 - - 4,5/13,5 4,5/13,5
5 - - 6,0/24,0 6,0/24,0
6 - - 7,5/37,5 7,5/37,5
7 - - - -

Wenn die Bandbreite nicht ausreicht, gibt es ständig Ausfälle und alle sind frustriert.
Fazit: Je nach vorhandener Bandbreite ist ganz schnell Schluss!

Angefangen habe ich mit Stable-latest. Allerdings wollte ich einen Server im Heimnetz betreiben, also hinter einem NAT-Router. Unglücklicherweise wurde just zu der Zeit die Videobridge auf die Version 2 gebracht. Die lief bei mir aber, zu der Zeit, nicht mit Self Signed Certificates, was ich aber erst nach längeren Tests heraus fand. Was am Anfang lief, ging auf einmal nicht mehr. Stable-latest ist natürlich ein floating Label.
Wer lebendige Open-Source-Sofware verwendet muss damit rechnen. Hatte ich nur leider nicht.

Mit der Erkenntnis habe ich mir die Stable-4101 heraus gesucht. Die enthielt noch die alte Videobridge.

Nachdem diese Version hinter meinem NAT-Router fehlerfrei lief, habe ich mir über Let's Encrypt ein signiertes Zertifikat beschafft. Damit lief dann auch die Videobridge2 und ich bin wieder umgestiegen auf Stable-latest.